Rotatorenmanschetten-Behandlung mit Prof. Dr. med. Frank Martetschläger
Shownotes
In dieser Episode:
- Was ist die Rotatorenmanschette – und warum ist sie so wichtig?
- Typische Symptome: Wann sollte man hellhörig werden?
- Wie wird die Diagnose gestellt? (Anamnese, Untersuchung, Ultraschall, MRT)-
- Konservative Therapie: Was hilft wirklich – und wann?-
- Operative Behandlung: Wann ist eine OP sinnvoll?
- Moderne arthroskopische Verfahren erklärt
- Nachbehandlung & Reha: Was entscheidet über den Erfolg?
- Häufige Missverständnisse aus der Praxis
Zu Gast:
Prof. Dr. med. Frank Martetschläger Schulter- & Ellenbogenspezialist ATOS Klinik München | Deutsches Schulterzentrum Vorsitzender der European Shoulder Associates (ESA) https://www.schulterspezialist-martetschlaeger.de/
MEDIZIN DIREKT
Medizin verständlich erklärt. Für Patient:innen, Angehörige und medizinisch Interessierte.
Transkript anzeigen
00:00:01: Hallo und herzlich willkommen bei einer neuen Folge von Medizin Direkt,
00:00:06: dem
00:00:06: Medizin-Podcast.
00:00:10: In dieser Folge begrüße mir Prof.
00:00:12: Dr.
00:00:12: Med Frank Martitschläger, international anerkannte Spezialist für Schulter- und Ellenbogen-Scheologie, Partner am Deutschen Schulterzentrum und an der Arthos-Klinik München.
00:00:21: Prof.
00:00:22: Martitschläger deckt das gesamte Respektrum der modernen konservativen und operativen Therapie ab.
00:00:28: Vom präzise Diagnostik bis zur minimal immersiven atroskopischen Chirurgie und komplexen Rekonstruktionen.
00:00:35: Als Vorsitzender der Europäischen Schultergesellschaft und anerkanter Ausbilder der SK und Agar zählt er zu den führenden Experten seines Fachs, national wie international.
00:00:46: Was ihn dabei besonders auszeichnet, eine Medizin, die höchste Präzision mit echter Zuwendung verbindet.
00:00:54: Klar erklärt, individuell abgestimmt und immer auf Augenhöhe mit den Menschen vor ihm.
00:00:59: In dieser Folge sprechen wir über roter Tornmanschettenbehandlung, von den ersten Symptomen über die Diagnostik bis hin zur Therapie, Operation und dem Weg zurück in den Alltag.
00:01:11: Medizin direkt, verstehen, entscheiden, genießen.
00:01:14: Und hallo und herzlich willkommen Frank Martitschläger.
00:01:20: Hallo, vielen Dank für die Einladung.
00:01:23: Danke, dass ich wieder mal bei dir sein darf.
00:01:25: Ich bin gespannt.
00:01:26: Wir haben uns heute ein ganz schönes Thema rausgesucht.
00:01:29: Wir haben ja letztes Mal in der Folge schon so ein bisschen über den Patientenverlauf gesprochen.
00:01:34: Und heute haben wir gesagt, wir gehen mal ganz speziell auf die Rotatorenmanschette ein.
00:01:39: Und da kommt gleich mal die erste Frage.
00:01:42: Warum ist die Rotatorenmanschette so häufig betroffen, wenn es um die Schulter geht?
00:01:47: Die Rotatorenmanschette ist leider relativ anfällig für degenerative Verschleißerkrankungen im Alter.
00:01:57: Im Alter muss man jetzt gar nicht so sehen, dass es wirklich nur die Allerältesten betrifft, sondern man weiß, dass es in unserem Alter, sag ich jetzt mal so, um die vierzig-fünfzig geht das schon los, dass viele degenerative Veränderungen haben, die dann in Pazialrisse münden und dann irgendwann in Komplett-Rupturen.
00:02:15: Das ist das Problem mit dieser Rotatormandschette.
00:02:17: Also degenerativ verändert sich diese Szene, diese Sehnenplatte im Laufe des Lebens.
00:02:23: Und es kommen natürlich bei jüngeren Patienten auch traumatische Veränderungen nach Sturzereignissen, Rukturen dazu.
00:02:30: Deswegen relativ häufig betroffen, dass man einen Fünfzig-Sechzig-Jergen findet, wo die Rotatormanschette komplett unauffällig bei einer Atroskopie aussieht, ist eigentlich
00:02:40: fast
00:02:41: unwahrscheinlich.
00:02:43: Was hörst du denn in der Praxis besonders von den Patientinnen und Patienten?
00:02:47: Ja, also die Patienten sind genauso verwundert wie jetzt deine Frage eben Eingangs.
00:02:52: Also warum passiert es?
00:02:54: Was man häufig hört ist, ich hatte kein Sturz.
00:02:56: Ich kann mich ja nicht sehr erinnern.
00:02:57: Wie kann das jetzt sein, dass diese Szene vom Knochen komplett abgelöst ist?
00:03:02: Und die Patienten sind fast etwas verzweifelt, weil sie sich es erst mal auch nicht erklären können, warum diese Szene bzw.
00:03:08: diese Muskel-Szeneneinheit plötzlich nicht mehr am Knochen anschließt.
00:03:13: Warum kommen denn eigentlich so die Leute so spät zu dir?
00:03:17: in die Praxis, obwohl es dann schon länger die Beschwerden gibt, das ist tatsächlich bei der Rotatormannschätte sehr auffällig, dass es relativ spät ist, dass die Patienten kommen.
00:03:27: Ja, das ist so ein bisschen, sage ich mal, ein bisschen gemein von der Schulter.
00:03:31: Die Schmerzen treten nicht immer gleich am Anfang auf, also was man schon häufig hört von den Patienten, es zieht und zwickt schon länger mal, aber es ist immer wieder alles gut gegangen und ich konnte alles machen.
00:03:41: und deswegen häufig der verspätete Gang zum Arzt, wo Geringere Symptome schon lange bestehen.
00:03:49: Und dann die Patienten wirklich erst kommen, wenn die Beschwerden mehr werden oder sogar die Funktion schon leidet.
00:03:54: Die Kraft schon fehlt oder weniger geworden ist.
00:03:57: Und dann ist es häufig so, dass auch die Muskelseheneinheit schon deutlich gelitten hat.
00:04:02: Was sind denn die ersten Symptome oder Warnzeichen, wo die Patienten haben, womit sie dann kommen und sagen, da habe ich es vielleicht gemerkt, da war was?
00:04:10: Es
00:04:11: ist tatsächlich spät, also häufig ist es so, dass die Patienten sagen, Die Schmerzen, die Sie immer mal hatten, die wieder weggegangen sind, bei Belastung, gerade bei Belastung über Kopf, beim Heben, heute hatte ich eine Patientin, die gesagt hat, jetzt kann ich die Kaffeekanne nicht mehr über den Tisch stellen, weil mir der Arm runterfällt.
00:04:29: Da ist klar, die Kraft ist schon dahin und die Manschettenruptur ist sicher schon größer.
00:04:35: Am Anfang ist es so, dass der Nachtschmerz häufig ein erstes Symptom ist, was dann auch bleibt.
00:04:41: Wo die Patienten sagen, das halte ich jetzt nicht mehr aus, das macht wirklich Mürbel.
00:04:45: Und das ist das, was die Patienten sagen.
00:04:47: Warum sie dann letztlich auch vom Hausarzt, von dem Betreuenden, wo sie schon länger mal beschwerden, wie der Schulter vielleicht angemerkt hatten, dann wirklich zum Spezialisten auch geschickt werden?
00:04:57: Wann ist denn so ein Schmerz bedenklich, wann die Patienten zu dir unbedingt kommen sollten?
00:05:03: Ich sag mal, wann ist ein Schmerz bedenklich, dass es jetzt nicht nur bei der Schulter so, sondern wenn der Schmerz nicht weggeht.
00:05:10: Also wenn der Schmerz... dauerhaft unterdrückt werden muss.
00:05:14: Also was für niemanden gut ist, ist eine dauerhafte Schmerzmedikation, die vor allem dann auch immer gesteigert werden muss, weil es nicht besser wird.
00:05:21: Ein Schmerz, der den Alltag einschränkt.
00:05:23: Ein Schmerz, der die Lebensqualität einschränkt.
00:05:26: Ich denke, dann wird es so, dass die Patienten kommen sollten und dann kommen auch die meisten.
00:05:31: Was kein Fehler ist, ist aber auch schon zu Beginn bei Schulterbeschwerden, wenn sie das erste Mal auftreten und über mehrere Wochen halten.
00:05:41: dann gehen und schon mal nachschauen lassen, vielleicht ist die Manschette schon betroffen.
00:05:45: Es muss nicht immer gleich die große Ruptur sein, die dann auch wirklich klinisch auffällig wird.
00:05:51: Es ist auch gut, wenn man weiß, dass ein kleineres da ist, sowohl was die konservative Therapie anbelangt, aber auch die Kontrollen im Verlauf.
00:05:59: Ja, jetzt kommen wir zum ganz interessanten Punkt und zwar zur Anatomie.
00:06:04: und wie wahrscheinlich alle schon sehen, haben wir heute ein Schultermodell mit dabei und Es wäre mal ganz schön, wenn du uns mal so ein bisschen die Struktur, die Anatomie von der Schulter zeigst, um was reden wir da eigentlich, was ist das eigentlich alles?
00:06:19: Ja klar, also ich habe euch so ein Schultermodell mal mitgebracht, die Rotator-Mannscherte selbst, die besteht aus vier Sehnen.
00:06:27: Wir schauen jetzt mal von vorne auf dieses Schultermodell drauf.
00:06:30: Ganz vorne sitzt der Subscapularismuskel, der hier vorne am sogenannten Tuberculosis ansetzt.
00:06:37: dazwischen läuft dann die lange Bezib-Szene hinunter, wichtig auch zu wissen, weil die Patienten immer fragen, warum ist die jetzt auch beschädigt?
00:06:44: Wenn eine der Szenen hier vorne beschädigt ist, dann wird die Bezib-Szene instabil.
00:06:49: Dann oben schließt sich an die Supraspinatus-Szene, die hier an dem Tuberculomaius ansetzt, genauso wie die hintere Szene, kann man jetzt vielleicht besser sehen, der Infraspinatus und der Therasmino.
00:07:01: Und je nachdem, welche Muskeln kontrahiert werden, macht diese Szenenplatte eben die Innenrotation beim Subscapularis, aber auch die Außenrotation bei den hinteren Anteilen und der Supraspinatus hilft beim Heben des Armes.
00:07:15: Was diese Szenen aber vor allem machen, und ich denke, das kann man sich so vorstellen, wenn man so hier drauf schaut, die ziehen den Oberarmkopf in die Pfanne.
00:07:25: Die Pfanne sieht man jetzt hier von vorne, das heißt, wenn die Muskeln korrekt zusammenarbeiten, dann zentrieren die den Oberarmkopf in der Pfanne.
00:07:34: Und das ist auch schon die wichtigste Aufgabe, wenn das nämlich nicht mehr funktioniert.
00:07:39: Das heißt, wir haben die subskapulare Szene-Ligtation am Boden, einen größeren Riss dieser Rotatorenmanschette, dann dezentriert der Oberarmkopf nach oben.
00:07:50: Und dann ist der darüber liegende Delta-Muskel nicht mehr korrekt vorgespannt und kann den Arm auch nicht mehr mit Kraft heben.
00:07:57: Und spätestens dann ist es durchaus so, dass die Patienten auch einen Kraft, also Kraft Einbußen, einen Kraftdefizit verspüren.
00:08:06: Also vielleicht zu sagen, die Rotatormandsche, das ist wichtig für einerseits die Bewegung des Armes selbst, aber auch für das Zentrieren des Oberamkopfes in der Pfanne.
00:08:18: Erst mal vielen lieben Dank für die tolle Erklärung, vor allem auch an dem Modell.
00:08:21: Ich glaube, somit können sich das die Patientinnen und Patienten und Zuhörern und Zuseher auch gut vorstellen.
00:08:30: Wir kommen jetzt mal zum Punkt Diagnostik.
00:08:33: Wie ist denn der normale Ablauf für so einen Patienten, was die Diagnostik angeht?
00:08:39: Da gibt es ja immer viele, viele Punkte.
00:08:41: Wir haben auch mal recherchiert im Internet.
00:08:44: Es reicht ein Ultraschall, der Nächste wieder nur MRT, der andere nur Röntgen.
00:08:50: Was sagst denn du, was ist denn dein Vorgehen?
00:08:54: Also bei uns ist es immer so, dass die Patienten erstmal eine ausführliche, körperliche Untersuchung am entkleideten Patienten bekommen und wenn man da die einzelnen Bewegungsübungen mit ihnen macht, aktiv und passiv prüft, wie gut ist denn die Schulterfunktion noch und dann mit Muskelwiderstandstests diese einzelnen Muskeln testet.
00:09:18: Also man kann den Patienten am gestreckten Arm quasi nach oben drücken lassen, wenn da keinerlei Widerstand mehr kommt oder der Arm wie wir sagen beim Drops sein sogar schon nach unten fällt, aber passiv kann ich den Arm heben.
00:09:30: Dann ist schon relativ klar, dass der Motor da beschädigt sein muss.
00:09:33: Und die klinische Untersuchung gibt jemandem, der das tagtäglich macht, eigentlich bei diesen Rotatorenmanschettenverletzungen einen ganz klaren Hinweis in welche Richtung das geht.
00:09:43: Und dann ist es bei uns so, dass sich eine Ultraschalluntersuchung anschließt.
00:09:48: Und für jemanden, der auf einem modernen Ultraschallgerät diese Untersuchungen jeden Tag macht, ist dann eigentlich schon klar, ist die Manschette gerissen, partiell gerissen oder ist die intakt.
00:09:58: Also diese beiden Untersuchungen sind für die Primärdiagnostik ausschlaggebend.
00:10:04: Das Röntgen, was du ansprichst, ist dann interessant, wenn das Ganze schon etwas länger besteht, wo das Röntgenbild nämlich eine Veränderung zeigen kann, nämlich eine, wie wir sagen, Defektatropathie, also eine Veränderung der Knorpeloberfläche, eine Arthrose, die auf dem Boden einer Rotator-Manchettenruptur entstanden ist.
00:10:25: Das ist etwas, was mit dem Röntgenbild sofort erkennt.
00:10:29: Da steht da oben am Kopf, so wie ich es eben beschrieben habe, nicht mehr zentriert in der Pfanne, sondern oben reibt dann sogar gegen das Schulterdach bei den fortgeschrittenen Formen und entwickelt immer mehr einen Gelenkverschleiß.
00:10:41: Das ist diese Defektatropatie.
00:10:42: Das MRT, sage ich mal, für die OP-Planung wichtig und für die Frage, wie weit ist der Riss und wie weit ist die Muskulatur geschädigt, wie weit ist die Szene zurückgezogen, ist das Ganze noch sinnvoll reparierbar.
00:10:57: Da ist sicher das beste Tool des MRT.
00:11:01: Vielen lieben Dank, dass du es mal genau so ausführlich erklärt hast.
00:11:06: Jetzt haben die Leute die Diagnose bekommen, weil sie das Ultraschall hatten, weil sie das MRT bekommen haben.
00:11:13: Jetzt kommt die schöne Nachricht, wir können das Konservativ therapieren.
00:11:20: Welche Möglichkeiten gibt es denn und welche sind sinnvoll für eine konservative Therapie?
00:11:28: ist schon sehr abhängig vom Patienten, der vor einem sitzt.
00:11:33: Also das ist die Entscheidung zwischen konservativ und operativ.
00:11:36: Da kann man nachher noch ein bisschen mehr darauf eingehen.
00:11:39: Das ist ja eine der wichtigsten, wenn es dann um diese Rotatormannschette geht.
00:11:43: Und das ist das, was den Patienten am meisten interessiert.
00:11:46: Warum kann es bei dem konservativ laufen bei mir nicht?
00:11:48: Und da spielt natürlich Alter eine Rolle, da spielt eine Rolle.
00:11:53: Welche Rupturform ist das Ganze?
00:11:56: Ist es eine Pazialruptur?
00:11:57: Ist es schon eine transmorale Ruptur, sagen wir?
00:12:00: Also eine Ruptur, wo die Szene eben überhaupt nicht mehr Kontakt mit dem Knochen hat, wo auch die Muskulatur dann in Zukunft leiden wird und atrophieren wird.
00:12:12: Das sind so die entscheidenden Fragen, die man vorherklären muss, wenn es darum geht, ist das Ganze überhaupt konservativ machbar?
00:12:18: Und ist es sinnvoll konservativ machbar, bei einem jungen Patienten häufiger eher nicht, weil wir wissen, das geht nur in eine Richtung, der Riss wird immer größer und der Muskel wird abbauen und die Sehne sich zurückziehen.
00:12:29: Und das ist für einen jungen, sportlichen Patienten, der ungünstig.
00:12:32: deswegen, sagen wir mal, die jungen, traumatischen, dann ja häufig traumatischen, die werden eigentlich alle primär versorgt, dass man die wieder zurückbringt auf das, was vor dem Trauma war.
00:12:43: Für die anderen, die degenerativen Risse.
00:12:46: ist es so, dass man eigentlich konservativ versucht, eigentlich bei allen.
00:12:51: Und die Patienten kommen und haben meist schon sechs bis acht Wochen, drei Monate ist das, was man auf jeden Fall machen sollte an konservativer Therapie, sprich Physiotherapie, sprich Kräftigung der Restmuskulatur.
00:13:03: Das hatte ich vorhin gesagt, dass die Szenen den Oberarmkopf zentrieren.
00:13:08: Wenn man sich jetzt vorstellt, die obere, die Supraspinatus-Szene reist, dann können die hinteren und vorderen Anteile den Oberarmkopf noch zentrieren.
00:13:16: Die müssen aber stärker sein.
00:13:18: Und deswegen muss man diese Anteile kräftigen.
00:13:20: Und dann hat man eine Chance, dass der Kopf wieder etwas besser zentriert ist und dieses sekundäre Impingement, also dieses nach oben einklemmendes Armes wieder geringer wird.
00:13:31: Und so kommen gerade bei den degenerativen Patienten viele zurecht.
00:13:37: Gibt es denn so eine Zeitspanne, wo man sagt... Solange sollte die konservative Therapie laufen, bis man sagen kann, nee, es reicht nicht.
00:13:48: Wir müssen doch operativ tätig werden.
00:13:51: Gibt es eine Faustformel dafür?
00:13:53: Also was man mindestens sagt, diese drei Monate, drei bis sechs Monate.
00:13:58: Ich denke, drunter ist nicht zu erwarten, dass sich da großartig was ändert.
00:14:02: Aber so wie wir uns schon mal unterhalten hatten, es ist natürlich die Frage, was wird in diesen drei bis sechs Monaten mit dem Patienten wirklich gemacht?
00:14:10: Also eine sinnvolle Physiotherapie, wo bei uns auch wirklich auf dem Rezept steht, was gemacht werden soll.
00:14:16: Also ein kaudalisierendes Training des Humoryskopfes mit Kräftigung der Restrotatormonschette.
00:14:21: Man musste eine Anweisung geben auch für den Physio, um es dem leichter zu machen.
00:14:26: Und dann, würde ich sagen, zwischen drei und sechs Monate muss man das mindestens probieren.
00:14:30: Sofern ist der Patient toleriert.
00:14:33: Wenn der Patient schon in einer so schmerzhaften Phase ist, dass die Physiotherapie, also diese Kräftigung nicht einigermaßen schmerzfrei überhaupt durchführbar ist, dann ist es vielleicht schon nicht mehr sinnvoll.
00:14:46: Jetzt gibt es die Fälle ja OP-Entscheidungen.
00:14:51: Welche Faktoren spielen da eine Rolle für eine OP-Entscheidung?
00:14:56: Also das Wichtigste für uns ist, dass es ein Patient ist, der konservativ nicht zurechtkommt.
00:15:04: Also ein Patient, der quasi Sonst kommt sehr häufig schon vor antherapiert.
00:15:12: und die erste Frage ist immer, was haben Sie denn alles schon probiert?
00:15:15: Was wurde denn mit Ihnen schon gemacht?
00:15:16: Sie sagen, Sie haben seit einem halben Jahr, seit einem Jahr beschweren.
00:15:19: Und dann ist die Frage, ist das Ganze gut gegangen oder nicht?
00:15:22: Geht es Ihnen jetzt besser als vor einem halben Jahr?
00:15:25: Und dann sagen die Patienten, ja, dann würde ich ja nicht so richtig hier sitzen bei Ihnen.
00:15:30: Eine fehlgeschlagene konservative Therapie ist ganz häufig der Punkt, wo man dann einsetzt und sagt, wenn das so nicht funktioniert, dann erschlagen wir den anderen Weg ein.
00:15:40: Und dann muss man natürlich genau hinschauen, wie Eingangs erwähnt, ist das Ganze jetzt sinnvoll zu rekonstruieren.
00:15:50: Jetzt ist der Punkt Operation und das ist ja für viele der spannende Punkt.
00:15:55: Kannst du uns mal erklären, was denn gemacht wird bei einer OP, wie zum Beispiel Nahtechniken, Anker setzen, Refixierung und so weiter?
00:16:05: Natürlich, also das Entscheidende ist, dass man dieses Szenen, ich nenne mal die Supraspinatoszene hier oben wieder mit rein, dass man die aus einer Position, die ja meist vom Knochen losgelöst und zurückgezogen ist, zunächst mal ausführlich mobilisiert, damit man die Spannungsfrei wieder hier an den Knochen annähern kann.
00:16:28: Dann muss die Szene geputzt werden.
00:16:30: Der Knochen wird von Restfasern frei geputzt mit kleinen oszillierenden Fräsen.
00:16:36: Und dann ist es soweit, dass kleine Nahtanker in den Knochen eingesetzt werden können.
00:16:42: Die Fäden aus dem Anker werden durch die Szene vorgelegt mit kleinen Nadeln.
00:16:47: Und dann wird das Ganze verknotet und presst die Szene quasi wieder auf den Knochen an, wo sie dann festteilen muss.
00:16:55: in den nächsten Wochen und Monaten, nach drei Monaten wissen wir, dass die Szene am Knochen wieder fast nahezu zu hundert Prozent festgewachsen ist.
00:17:04: Eingangs erwähnt die Bizepszene,
00:17:07: das
00:17:07: glaube ich auch für die Zuschauer, Zuhörer wichtig zu wissen, die das Ganze vielleicht betrifft.
00:17:13: Die Bizepszene wird durch diese Beschädigung am Szenenrotatornintervallübergang immer mit beschädigt und wird deswegen verlagert nach hier unten.
00:17:24: damit die auch nach Rekonstruktion kein Ärger mehr machen kann.
00:17:28: Die Bezib-Szene ist für die Schulterfunktion die lange Bezib-Szene nicht wirklich entscheidend.
00:17:35: Vielen Dank für die wirklich tolle Erklärung.
00:17:37: Ich glaube, das kann sich jetzt jeder vorstellen, wie so eine OP mal im Groben abläuft.
00:17:44: Jetzt gibt es ja verschiedene Techniken.
00:17:47: Atmoskopisch wird das, glaube ich, zu neunzig Prozent mittlerweile operiert.
00:17:53: Das heißt Schlüsselhochtechnik, zwei, drei Schnitte von sieben Millimetern und darüber wird das Instrumentarium und die Kamera eingebracht und fixiert.
00:18:07: Jetzt ist die OP vorbei.
00:18:08: Jetzt kommt ja eigentlich der Punkt, der mit am wichtigsten ist für die ganze Heilung, und zwar die Reha.
00:18:17: Was ist denn so einer normale Verlauf im Patienten nach der OP, wenn er noch in der Klinik ist?
00:18:24: und dann entlassen wird in die Reha.
00:18:28: Also das, jetzt stellst du, glaube ich, so die wichtigste Frage, die auch die Patienten am meisten interessiert, weil wirklich viele, die zu uns kommen, die wissen schon, dass sie operiert werden müssen, dass es so nicht funktioniert und haben sich da schon wirklich erkundigt, auch wie das funktioniert heutzutage, wie du sagst, atroskopisch, also nur kleine Stiche, das wissen viele schon.
00:18:50: Aber die entscheidende Frage ist, wie lange dauert das?
00:18:54: Und dann denken wir immer die meinen, wie lange dauert die OP.
00:18:58: Das interessiert die aber eigentlich gar nicht.
00:19:00: Da schlafen die ja ohnehin.
00:19:01: Die wollen wissen, wann kann ich das und das und das wieder machen.
00:19:05: Und das muss man wirklich ausführlich besprechen, weil es für die Patienten eine lange Zeit ist, ich sage immer eine lange Leidenszeit, die sich aber lohnt.
00:19:14: Leiden warum, weil der Arm wirklich erst mal rückgestellt wird.
00:19:18: Ja, das heißt... Diese Art von Physiotherapie, wir überdenken nach OP, die ist eigentlich nicht so, wie wir es kennen, von der konservativen Therapie, sondern es ist ein Zuwarten und es ist mehr Wellness für die Schulter, nenn ich es immer.
00:19:32: Das heißt, der Arm ist eigentlich vierundzwanzig Stunden an Tag rückgestellt, in einem sogenannten Abduktionskissen am Arm so fixiert, damit diese rekonstruierten Szenen möglichst entspannt sind.
00:19:43: Für die Physiotherapie zur Körperpflege wird diese Arthese abgenommen.
00:19:47: Und die Physiotherapeuten machen die ersten Wochen bei großen Rissen bei unseren Patienten ausschließlich Lymphdrainage, die ersten zwei bis drei Wochen.
00:19:56: Und dann schließt sich eine passive Bewegung an.
00:19:59: Das heißt, die Patienten haben wirklich mit dieser Schulter die ersten Wochen nicht viel zu tun, also aktiv gar nichts.
00:20:06: Bis wir uns das erste Mal nach sechs Wochen wieder sehen zur Kontrolle, haben die Patienten den Arm aktiv nicht bewegt, außer hängen lassen, beim Duschen leichtes Pendeln.
00:20:16: Aber sonst mit dem Arm wirklich nichts gemacht.
00:20:18: Und das ist natürlich etwas, was Patienten schon zunächst mal abschreckt.
00:20:25: Jetzt hast du das ja schon beschrieben.
00:20:27: Die Lymphdrinage dient dazu, dass die Schwellung relativ gering bleibt, wenn ich mich noch richtig erinnere.
00:20:37: Genau, das ist ja so, dass bei dieser Art von Operation, wie wir es heute eigentlich ausschließlich machen, das Gelenk mit Flüssigkeit gefüllt wird.
00:20:46: Und diese Flüssigkeit muss danach reserviert werden.
00:20:48: Deswegen ist die Schulter immer erst mal dicker als vorher.
00:20:51: Das kann nicht so sehr, weil das OP-Trauma so groß ist.
00:20:53: Das hält sich aufgrund dieser atroskopischen Operation relativ gering.
00:20:57: Aber diese Flüssigkeit, die dann durchläuft, um das atroskopisch operieren zu können, die muss reserviert werden.
00:21:03: Deswegen macht das schon gerade in den ersten sieben bis zehn Tagen Sinn, da eine Lymphdrainage anzuschließen.
00:21:09: Ab wann fängt denn die erste Bewegung wieder richtig an?
00:21:13: Patient so richtig in die Aktivität wieder reingeht und nicht mehr in diesem Punkt andermannschette.
00:21:21: Genau, das ist so nach der Kontrolle nach sechs Wochen.
00:21:26: Die erste Frage ist immer, darf das Ding da jetzt wegbleiben?
00:21:30: Ich sage immer noch nicht wegwerfen, aber langsam abgewöhnen.
00:21:35: Und das heißt, dass man es wirklich stundenweise ablegt und schaut, geht es mir gut damit und dann so.
00:21:40: einfach über die nächsten zwei, drei Wochen komplett los wird, diese Orthese.
00:21:45: Wenn du von so richtig aktiver Bewegung sprichst, dann ist es auch erst so nach zwei, drei Wochen.
00:21:50: Also sechs Wochen kommt das Kissen weg, dann nochmal zwei, drei Wochen Kissen abtrainieren und dann auch in die Aktivität gehen.
00:21:58: In diesen zwei, drei Wochen Zwischendrennen ist es so, dass man von aktiv auf aktiv assistiv übergeht.
00:22:05: Das heißt entweder der Physiotherapeut bewegt den Arm, man denkt die Bewegung mit, man spannt die Muskulatur schon mit an oder für die Übungen zu Hause, der gesunde Arm hilft dem Kranken nach oben, aber noch nicht von Passiv direkt auf komplett aktiv und schon gar nicht gegen Widerstand.
00:22:21: Man muss sich vorstellen, dass in der Phase zwischen siebter und zwölfter Woche, bis es dann wirklich geheilt ist, ist das Ganze natürlich immer noch ein sehr vulnerables Konstrukt.
00:22:31: Und wenn man da meint, es geht ja jetzt schon wieder alles, das Kissen ist weg.
00:22:35: dann ist die Reißfestigkeit aber immer noch bei sechzig Prozent.
00:22:38: Und wenn was passiert, häufig da, weil man eben zu früh sich in Sicherheit weckt.
00:22:42: Und da reden wir gerade mit unseren Patienten sehr häufig drüber in dieser ersten Phase.
00:22:47: Das glaube ich sofort.
00:22:50: Jetzt haben wir tatsächlich eine ganz interessante Frage bekommen.
00:22:52: Und das ist tatsächlich die Frage, die mir auch auffällt, die die meisten haben.
00:22:56: Und jetzt haben wir ja mit dir einen absoluten Experten da.
00:23:01: Jetzt brauchen wir mal einen Experten-Tipp.
00:23:03: Welche Kleidung empfiehlst du Patientinnen und Patienten nach der OP und in der Reha-Phase?
00:23:12: Also, ich fange mal damit an, was gar keinen Sinn macht.
00:23:15: Alles, was eng ist und über den Kopf gezogen werden muss, macht keinen Sinn.
00:23:19: Also, man kriegt das schwer angezogen und bisweilen ist es sogar so, dass die T-Shirts dann irgendwie aufgeschnitten werden.
00:23:27: weil man nicht gut rein und raus kam und es dann wehgetan hat.
00:23:30: und also da kennen wir natürlich die Geschichten alle.
00:23:34: Was Sinn macht, also bei uns gibt es ja dann zur OP und kurz nach der OP, diese schönen Flügelhänden, wo man so reingehen kann, die sind allerdings hinten offen und ich sage vielleicht nicht für die ersten sechs Wochen geeignet.
00:23:45: Alles was vorne offen ist, vorne aufknöpfbar ist oder mit Reißverschluss ist natürlich in der Phase genauso gut.
00:23:51: Das heißt, man kann den Krankenarm zuerst reinnehmen und dann den gesunden Arm, das funktioniert aber Guter Gedanke.
00:23:58: Ganz wichtig.
00:23:59: Für die Patientinnen und Patienten, die jetzt ganz aufmerksam zugehört haben, mit dem kranken Arm aus erstes und dann mit dem gesunden rein.
00:24:09: Das passiert nämlich tatsächlich ganz häufig, dass es Falschrum gemacht wird, weil man irgendwie das so intuitiv drinnen hat.
00:24:16: Aber vielen Dank für den Tipp.
00:24:18: Fazit aus unserem Gespräch heute früh abklären lassen.
00:24:25: Die Therapie, wenn sie konservativ läuft, erst mal wirklich ernst nehmen und auch mitmachen.
00:24:34: Ansonsten bei der operativen Therapie auch sich darauf vorbereiten, was, wie und so weiter kommt.
00:24:42: Geduld haben vor allem die ersten Wochen und die Reha konsequent durchziehen.
00:24:50: Würde ich genauso unterschreiben, hast du sehr schön zusammengefasst.
00:24:54: Über Frank, vielen Dank, dass du heute Gast bei uns warst, bei Medizin direkt.
00:24:59: Und ich freue mich schon auf die nächste Folge mit dir.
00:25:01: Jederzeit wieder.
00:25:02: Vielen Dank, Florian.
00:25:03: Hat Spaß gemacht, so wie immer.
00:25:05: Danke dir.
00:25:15: Das war Medizin direkt,
00:25:17: der Medizin-Podcast.
00:25:19: Wenn Ihnen diese Folge gefallen hat und Sie etwas für sich mitnehmen konnten, freuen wir uns, wenn Sie dem Podcast abonnieren oder weiter empfehlen.
00:25:27: Weitere Inhalte, kurze Erklärungen und Einblicke hinter die Kulissen.
00:25:32: finden Sie auch auf unseren Social Media Kanälen, auf Instagram, TikTok und weiteren Plattformen.
00:25:38: Vielen Dank fürs Zuhören und bis zur nächsten Folge.
Neuer Kommentar