Tinnitus verstehen: Ursachen, Diagnostik und Therapie mit HNO-Ärztin Dr. med. Laura-Marie Gaertner

Shownotes

Ein Pfeifen, Rauschen oder Summen, das niemand außer einem selbst hören kann: Tinnitus kann sehr unterschiedlich ausgeprägt sein. Manche Menschen nehmen das Ohrgeräusch wahr, ohne sich davon stark beeinträchtigt zu fühlen. Für andere wird es zu einer erheblichen Belastung im Alltag.

In dieser Folge von MEDIZIN DIREKT – Der Medizin-Podcast sprechen wir mit der HNO-Ärztin Dr. med. Laura-Marie Gaertner darüber, was Tinnitus eigentlich ist, welche Ursachen dahinterstehen können und wann eine ärztliche Abklärung sinnvoll ist.

Darüber sprechen wir in dieser Folge

  • Was ist Tinnitus – Erkrankung oder zunächst ein Symptom?
  • Wie kann ein Geräusch wahrgenommen werden, obwohl keine äußere Schallquelle vorhanden ist?
  • Welche Rolle spielen Hörminderung und die Verarbeitung von Hörinformationen?
  • Welche Ursachen können hinter Tinnitus stehen?
  • Welche Zusammenhänge bestehen zwischen Hörverlust, Lärm, Hörsturz und anderen HNO-Erkrankungen?
  • Warum ist Stress nicht automatisch die Ursache eines Tinnitus, kann die Wahrnehmung aber verstärken?
  • Welche Rolle können Kiefer, Nacken und andere Bereiche des Kopf-Hals-Systems spielen?
  • Was sollte man tun, wenn plötzlich ein Ohrgeräusch auftritt?
  • Bei welchen Warnzeichen sollte Tinnitus zeitnah ärztlich abgeklärt werden?
  • Wie läuft die Diagnostik beim HNO-Arzt ab?
  • Was unterscheidet Tinnitus und Hörsturz?
  • Wann kann Kortison bei akuten Situationen beziehungsweise Hörstörungen eine Rolle spielen?
  • Warum ist Kortison keine pauschale Behandlung eines chronischen Tinnitus?
  • Wie beeinflussen Aufmerksamkeit, Angst, Stress und Schlaf einen chronischen Tinnitus?
  • Was bedeuten Neuroplastizität und Habituation im Zusammenhang mit Tinnitus?
  • Warum muss eine erfolgreiche Behandlung nicht zwangsläufig bedeuten, dass das Ohrgeräusch vollständig verschwindet?
  • Welche Rolle spielen Aufklärung und Counselling?
  • Wann können Hörgeräte bei gleichzeitig bestehender Hörminderung hilfreich sein?
  • Warum können verhaltenstherapeutische oder psychotherapeutische Ansätze bei belastendem chronischem Tinnitus sinnvoll sein?
  • Welche Rolle spielen Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel?
  • Was versteht man unter multimodaler Tinnitusbehandlung?
  • Was können Betroffene selbst im Alltag tun?
  • Welche verbreiteten Mythen über Tinnitus stimmen – und welche müssen differenzierter betrachtet werden?
  • Tinnitus ist real – auch wenn psychologische Faktoren eine Rolle spielen können

Ein wichtiger Punkt dieser Folge: Psychotherapeutische oder verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze bedeuten nicht, dass Tinnitus „eingebildet“ ist.

Das Ohrgeräusch ist real. Bei einem belastenden chronischen Tinnitus kann es jedoch wichtig sein, auch den Umgang mit der Wahrnehmung, Stress, Ängsten, Schlafproblemen und der Aufmerksamkeit auf das Ohrgeräusch einzubeziehen.

Das Behandlungsziel muss dabei nicht immer darin bestehen, den Tinnitus vollständig zu beseitigen. Auch eine deutliche Verringerung der Belastung und ein weitgehend unbeeinträchtigter Alltag können wichtige Therapieziele sein.

Über Dr. med. Laura-Marie Gaertner

Dr. med. Laura-Marie Gaertner ist Fachärztin für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Ein Schwerpunkt dieser Folge liegt auf Tinnitus, Hörstörungen und der multimodalen Behandlung von Patientinnen und Patienten mit stärkerem Leidensdruck.

Dabei können – abhängig von der individuellen Situation – unterschiedliche Fachbereiche zusammenarbeiten, beispielsweise HNO-Medizin, Psychologie beziehungsweise Psychotherapie, Psychiatrie, Schlafmedizin oder Physiotherapie.

Instagram: @doc_gaertner

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Medizinischer Hinweis: Die Inhalte dieser Podcastfolge dienen der allgemeinen medizinischen Information und ersetzen keine individuelle ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung.

Transkript anzeigen

speaker-0: Herzlich Willkommen zu einer neuen Folge von Medizin Direct, dem Medizin Podcast. Ein Pfeifen, Rauschen, Summen oder Brummen im Ohr obwohl von außen eigentlich kein entsprechendes Geräusch vorhanden ist. Viele Menschen kennen ein solches Ohrgeräusch vielleicht kurzzeitig, nach einem Konzert oder nach einer sehr lauten Veranstaltung. Bei anderen bleibt es jedoch bestehen und kann irgendwann Schlaf, Konzentration und sogar den gesamten Alltag beeinflussen. Heute sprechen wir deshalb über Tinnitus. Wir möchten verstehen, was hinter diesem Ohrgeräusch steckt, wann man einen HNO-Arzt aufsuchen sollte, wie die Diagnostik funktioniert und vor allem, welche Behandlungsmöglichkeiten heute tatsächlich sinnvoll sind. Dafür freue ich mich sehr, heute Frau Dr. med. Laura Maria Gaertner begrüßen zu dürfen. Frau Dr. Gaertner, herzlich willkommen bei Medizin Direkt.

speaker-1: Vielen Dank für die Einladung.

speaker-0: Bevor wir jetzt mal einsteigen in unser Thema und das ist ja heute wirklich ein sehr sehr spezielles und sehr sehr... Ja. Das weit verbreitet, wenn man tatsächlich mal recherchiert. In unseren Recherchen waren wir überrascht, wie viele Patienten es überhaupt gibt mit Tinnitus. Das mir ehrlich gesagt auch nicht so bewusst. Wie sind Sie denn eigentlich in die HNO-Medizin gekommen? Und jetzt wird es bei Ihnen ja tatsächlich sehr, sehr spannend.

speaker-1: Mein Großvater hat 1953 in München als Spätheimkehrer aus dem Krieg eine HNO-Klinik gegründet. Damals kam er zurück aus dem Krieg. Mein Urgroßvater hatte schon eine HNO-Klinik in Coburg gegründet und mein Großvater hat dann nach dem Krieg in München sich entschlossen, eine Klinik zu gründen, in der er ursprünglich sogar gewohnt hat. Also er war ursprünglich eigenen Wohnhaus. Mein Vater hat die Klinik dann übernommen. Und jetzt bin ich in der dritten Generation an dieser HNO-Klinik, die ursprünglich rein chirurgisch HNO-Patienten versorgt hat und im Laufe der Zeit aber eben sich auch dem Thema Tinnitus, Hörstörungen und Schwindel gewidmet hat, einfach weil damals mein Vater festgestellt hat, dass es einen großen Teil an Menschen gibt, die mit einem Tinnitus durch die Welt laufen und damals gab es diese berühmten. Kortisoninfusionen, die dann aber weggefallen sind. Mein Vater war damals der Meinung, die Patienten dürfen wir nicht einfach so stehen lassen, wir müssen ihnen was anbieten. Deshalb haben wir uns auch darauf spezialisiert und bieten dort ein ganz spezielles, vielleicht irgendwie komplexes multimodales Therapieangebote an.

speaker-0: Wow, ist echt faszinierend. Jetzt habe ich mich tatsächlich bei der Recherche auch gefragt. Ich kenne ehrlich gesagt gar nicht so viele Kliniken. Also wirklich einzelne Kliniken, irgendwo sind, die speziell nur für HNO sind. So viele gibt es ja da gar nicht.

speaker-1: Ja, es gibt schon HNO-Kliniken an sich. Häufig sind es inzwischen auch reine Privatkliniken, das heißt für Privatpatienten. Wir nennen uns auf Privatklinik aber als privater Träger. Und tatsächlich diese Kombination, die wir auch bei uns haben aus HNO-Kirurgie und wir nennen es HNO-Psychosomatik, also diese ergänzenden Therapien, die gibt es so in der Form in Deutschland nicht.

speaker-0: Wahnsinn. Und dann haben wir uns ja für heute ein wunderschönes Thema ausgesucht, nämlich den Tinnitus. Und jetzt ist erstmal die erste Frage zum Einstieg. Was ist denn überhaupt dieser Tinnitus?

speaker-1: Ein Tinnitus ist zunächst einfach erstmal ein Ohrgeräusch ohne äußere Schallquelle. Erst wenn dieses Ohrgeräusch dauerhaft und als störend empfunden wird, sprechen wir als Mediziner und einem chronischen Tinnitus an sich. Aber ein Ohrgeräusch an sich hat eigentlich fast jeder erst. Wir unterscheiden da so ein bisschen zwischen einem subjektiven und einem objektiven Tinnitus. Ein objektiver Tinnitus ist ein Tinnitus zum Beispiel. Wenn wir in uns hineinhören und einmal schlucken, knackt es im Ohr, nehmen wir normalerweise gar nicht wahr. Genauso gibt es aber auch andere Ohrgeräusche wie zum Beispiel Gefäßveränderungen oder Veränderungen am Hörnerv, die zu so Ohrgeräusch auch führen können und eine innere Ursache haben, quasi eine organische innere Ursache haben. Und der subjektive Tinnitus, das ist eben ein Tinnitus, wo ich diese diese organische Ursache so erstmal im ersten nicht feststellen kann. Und da kann man auch behaupten, der Tinnitus an sich ist keine Erkrankung, sondern der Tinnitus ist ein Symptom. Und die Frage ist immer, wovon?

speaker-0: Das jeden Fall schon mal sehr, spannend und vielen lieben Dank schon mal für die sehr präzise und genaue Darstellung, was das erstmals überhaupt ist. Wie kann ich denn überhaupt etwas hören, obwohl von außen gar kein Geräusch vorhanden ist? Also wie ist sowas überhaupt möglich per se?

speaker-1: Das erklärt man sich folgendermaßen, dass Im Grunde genommen muss man sich bewusst machen, dass in den allermeisten Fällen von einem chronischen Tinnitus eine leichte bis schwere Gehörmünderung zugrunde liegt. Und natürlich, je weniger ich von außen höre, desto lauter werden die Geräusche im Inneren. Der Tinnitus entsteht nicht im Innenohr selber, sondern im Verlauf der Hörbahn. Das heißt, beispielsweise, wenn man nicht so gut hört, zum Beispiel einen Hörsturz hatte oder eine Hörminderung aufgrund des Alters oder wie auch immer. In einem gewissen Frequenzbereich hört man nicht mehr so gut, schaltet das Gehirn auf sensibel, wie ein Verstärker, der sich quasi anpasst, der denkt, da fehlt irgendwie was, ich muss hier sensibler werden. Das heißt, das verselbstständigt sich ein Stück weit und dadurch entsteht dann dieses Ohrgeräusch meistens eben in dem Frequenzbereich, sprich in dem Bereich, wo eine gewisse Hörminderung eben auch vorliegt.

speaker-0: Es gibt sehr Unterschiede, tatsächlicherweise. Also die einen Patienten leiden brutal darunter und die anderen Patienten sagen, ich merke es eigentlich gar nicht. Warum ist das so?

speaker-1: Der Professor Hesse, auch ein bekannter, renommierter Tinnitus-Spezialist, hat festgestellt, dass in den allermeisten Fällen der Tinnitus nur etwa fünf bis zehn Dezibel überhalb der Hörschwelle liegt. Das heißt, das ist vergleichbar mit einem Rascheln von Blättern. Und in einen stürzt, und in anderen stürzt gar nicht. Der eine merkt es gar nicht, und der nächste verliert deshalb seinen Job, muss man tatsächlich sagen. Und die Frage ist tatsächlich, wie wird der Tinnitus bewertet? Nicht wie laut ist der, sondern wie bewerte ich persönlich ihn? Und da führen ganz viele verschiedene Faktoren zusammen, die eben dazu führen, dass so Tinnitus zum Teil eben als extrem belastend wahrgenommen wird, sodass es wirklich massive Einschneidungen in der Lebensqualität mit sich bringen kann.

speaker-0: Jetzt kommen wir mal zu dem Punkt Ursachen für Sumptinitus. Das gibt ja für alles einen Grund, manchmal auch eher weniger. Aber welche Ursachen können denn hinter Sumptinitus stehen und welche begegnen Ihnen denn in der Praxis oder in der Klinik am häufigsten?

speaker-1: Also etwa 90 Prozent der Patienten, die einen Tinnitus aufweisen, haben eine Hörminderung. Und wie angesprochen, häufig merken die Patienten das gar nicht. Das muss gar nicht so eine ausgeprägte Hörminderung sein. Oder die Hörminderung entsteht schleichend, zum Beispiel aufgrund von Altersdegenerationen, die auch im Innenohr stattfinden können. Das heißt, das Gehirn gewöhnt sich ein Stück weit dran. Und es wird zum Teil auch kompensiert und man merkt das gar nicht so richtig. dass man eigentlich schon bisschen schlechter hört und viele Patienten kommen dann tatsächlich aufgrund des Tinnitus erst zum Hörtest zu uns. Und da muss man einfach ganz ganz klar sagen, dass der überwiegende Teil, also ich würde sagen über 90 Prozent. Und dann gibt es eben den kleinen Teil, das ist eben ganz wichtig zu sagen, ein geringer Teil der Patienten hat beispielsweise einen Knoten am Hörnerven oder so eine Gefäßveränderung. Solche Themen können natürlich auch. dazu führen, dass man wie gesagt den objektiven Tinnitus entwickelt. Da muss man ein bisschen aufpassen, beispielsweise wenn das Puls synchron ist, sprich mit dem Herzschlag mitgeht, da kann man mal fühlen, beispielsweise an dem Handgelenke oder am Hals, wenn man den Herzschlag fühlt und merkt, das ist gleichzeitig, dann sollte man auf jeden Fall das ganz genau abklären lassen. Aber in den allermeisten Fällen steckt eben eine Hörminderung dahinter. Das kann Neben der altersbedingten Hörminderung natürlich auch mal ein Hörsturz sein, der auch damit auftreten kann. Das Eugeräusch an sich ist kein Hörsturz, aber wenn plötzlich Völlegefühl, Druckgefühl, eine starke Hörminderung dazukommt, dann kann eben Hörsturz dahinterstecken und wenn beispielsweise Drehschwindel dazukommt und dieses Wattegefühl, dann sprechen wir von einem sogenannten Morbus Menier. Natürlich könnte es auch neurologische Ursachen haben, die man abklären sollte. Das sind die gängigen Ursachen eines Sointinitos.

speaker-0: Vielen lieben Dank dafür. Jetzt sagen ja viele Menschen, gerade bei der Recherche jetzt, mein Tinnitus kommt vom Stress. Ist das medizinisch wirklich einfach so, dass man das so sagen kann? Oder verstärkt das häufig eher die Wahrnehmung davon, von dem behandelten Tinnitus?

speaker-1: Der Tinnitus kommt nicht vom Stress, aber der Tinnitus wird verstärkt durch Stress. Das kann man ganz klar sagen. Man muss sich das so vorstellen. Der Tinnitus im Inneren, das Ohrgeräusch, wie gesagt, ist erstmal etwas Physiologisches. Und die Frage ist, wie bewertet das Gehirn das? Wenn die Patienten sehr gestresst sind, die das Gefühl haben, es ist alles zu viel, dann sinkt interessanterweise die Reizschwelle. Das heißt, das Gehirn wird noch sensibler. Und der Tinnitus wird immer lauter wahrgenommen. Das führt dazu, dass die Patienten sich auch noch mehr darauf konzentrieren. Die wachen in der Früh auf und schauen, ist das noch da, das Ohrgeräusch? Das heißt, plötzlich findet eine Bewertung im Gehirn statt. Der Tinnitus wird als relevant und auch als bedrohlich bewertet im Gehirn. Und somit kommt es zu einer Art Teufelskreis, die Das ständig auch noch verstärkt. Die Leute können dann zum Teil auch schlecht schlafen, was heißt zum Teil der Großteil der Tintuspatienten schläft auch schlecht. Und natürlich, wenn ich schlecht geschlafen habe, wird wiederum meine Reizschwelle herabgesetzt, der Tintus wird wieder lauter und so befinden sich die Menschen ganz, ganz häufig in einem Teufelskreis, den es eben zu durchbrechen gilt.

speaker-0: sehr gut erklären und jetzt auch so für mich auch tatsächlich aufs Leihe auch in diesem Bereich wirklich so, ich das fast verstehen kann. Wie sieht es denn da aus mit Kiefer oder Nacken? Kann sich ein Tinnitus dadurch bei bestimmten Patienten tatsächlich auch verändern?

speaker-1: Das wird kontrovers diskutiert, aber grundsätzlich, ja es gibt Patienten, berichten, dass wenn sie eine Kopfaltbestellung einnehmen oder Kiefergelenksverspannungen behandelt bekommen, dass das auch zu einer Besserung des Ganzen führen kann. Das Wichtige ist, dass man immer das Ganze ganzheitlich anschaut. Auch mal der T-Tust ist keine Erkrankung an sich, sondern ein Symptom von etwas und da können ganz, ganz viele individuelle Faktoren dazu führen. dass sich das eben verstärkt und das Kiefergelenk und die Halswirbelsäule sind eben zwei Punkte, die immer wieder auch bei diesen Patienten erwähnt werden.

speaker-0: Jetzt gehen wir mal ein bisschen weiter rein. Jetzt haben wir ja so bisschen darüber gesprochen, über die... Also was da Tinnitus ist, über die Ursachen. jetzt sagen, Patient, ich wache morgens früh auf und habe plötzlich auf meinem rechten Ohr am Pfeifen. Das hatte ich so vorher nicht wahrgenommen oder habe das gehabt. Was sollte ich jetzt tun? Wann kann ich zunächst beobachten und wann sollte ich tatsächlich wirklich zum Mahnohr zugehen?

speaker-1: Also wenn ein Tinnitus langsam schleichend entstanden ist, beidseitig, dann ist das sehr sicher ein nicht gefährlicher Tinnitus. Grundsätzlich, ein Tinnitus, entstanden ist, verschwindet zu über 70 Prozent innerhalb von 48 Stunden oder im Verlaufende. Das heißt, ich habe wirklich auch Zeit, zu schauen, wie ist das Ganze. schauen, vielleicht habe ich irgendwelche Mechanismen. die mir helfen, Stück weit davon weg zu orientieren, mich abzulenken. Dann habe ich tatsächlich auch zwei Tage, sicherlich, ein paar Tage Zeit, das Ganze zu beobachten und zu schauen, wie entwickelt sich das. Wenn ein Tilius aber plötzlich einseitig und unter Umständen noch zusammen mit neurologischen Symptomen oder schlaken Schwindelgefühlen erstmalig auftritt, dann sind das Dann muss man das abklären lassen. Dann sollte man es auch zeitnah abklären lassen. Die anderen Tinnitus-Formen, da hat man wirklich Zeit und kann gut zu warten. Denn der allergrößte Teil der Tinnitus-Symptomatik verschwindet tatsächlich von alleine wieder.

speaker-0: Lassen Sie uns noch mal bisschen in diesen schwerwiegenden oder vor allem was die Begleitsymptome angeht, drin bleiben. Welche Begleitsymptome sind denn echte Wahnsinn, mit denen man tatsächlich schnell handeln sollte? Also einige haben wir nachrecherchiert.

speaker-1: Ja, also nochmal. Der Tinnitus ist in allerallermeisten Fällen harmlos. Für den Patienten belastend, aber aus medizinischer Sicht nicht lebensbedrohlich. Aber wenn beispielsweise eine einseitige Gesichtslähmung dazukommt oder Wortfindungsstörungen oder andere motorische Schwierigkeiten, starker Schwindel, das sind Wahnsinnthome, die ich tatsächlich ernst nehmen sollte und wo ich dann auch tatsächlich ganz zeitnah handeln muss.

speaker-0: Wann ist denn tatsächlich ein Kinetus ein medizinischer Notfall? Das ist jetzt wirklich eine sehr spezielle Frage, weil damit möchte ich natürlich auch so bisschen die Leute zentiplisieren und sagen, das ist wirklich ein Notfall und das ist kein Notfall.

speaker-1: Ja, also so wie ich gerade beschrieben habe, das sind die typischen Symptome für einen Notfall. Also ein Ohrgeräusch, zusammen mit neurologischen Symptomen, starken Schwindelanfällen und selbst dann kann es auch sein, dass der Schwindel nur aus dem Innenohr kommt und dann auch nicht gefährlich ist, aber das sollte ich zeitnah abklären lassen. Das sind die Notfallwarnzeichen.

speaker-0: Jetzt haben Sie ja schon gerade das schöne Wort gesagt, abklären lassen. Jetzt gehen wir rein in das Thema Diagnostik und Hörsturz. Jetzt sitzt so ein Patient bei Ihnen. Wie läuft denn eine vernünftige Tiditus Diagnose beim HNO als eigentlich ab? Was möchten Sie wissen und welche Untersuchungen führt dann dann so, sag ich mal, leitlinengerecht durch?

speaker-1: Tatsächlich in der HNO-Praxis ist es wirklich schwierig, eine ausführliche Anamnese bei dem Patienten zu erheben. Und nichtsdestotrotz ist es gerade beim Tinnitus besonders wichtig, da wirklich Gewichtung drauf zu legen. Denn da erfahre ich schon ganz viel. frage den Patienten, seit wann der Tinnitus besteht und ob der einseitige ist beidseitig, wie belastend er wahrgenommen wird. Das ist eben das ganz Wichtige. Denn das ist die behandlungsrelevante Frage. Ich einen lauten Tinnitus haben, der aber nicht behandlungsrelevant ist, weil der Patient sagt, na ja, abends bei meinem Schlafen stört er mich ein bisschen, aber ansonsten ist der für mich nicht alltagseinschränkend. Und ich kann Patienten haben, die wirklich das Gefühl haben, ich kann meinen Alltag nicht mehr bewältigen und der Tinnitus übernimmt die Kontrolle über mein Leben. Und deshalb sind diese Tinnitus-Anamnese-Bögen eben so wichtig. gibt es ganz... Bestimmte von Prof. Göbel beispielsweise, Minitinnitus-Fragebogen, der zeigt mir schon relativ schnell, wie groß die Belastung durch den Tinnitus ist. Neben der Anamnese gehört ganz, ganz wichtig auch eine Hörbefundung dazu, sprich ein Hörtest. Ich schaue beim Hörtest, ob eine Hörminderung vorliegt und welchen Frequenzbereich. Ich kann dann auch bestimmen, wie laut ist der Tinnitus, wo ist der Tinnitus, ist der im hohen Frequenzbereich, im niedrigen Frequenzbereich, das ist eher weniger therapierelevant, muss man dazu sagen, dann kann ich noch weitere sogenannte Hirnstammmessungen machen und dann muss ich entscheiden, ob ich vielleicht noch zusätzlich einen MRT oder ein anderes Bildgebnisverfahren mit anordnen muss. Macht häufig Sinn tatsächlich, ja. Es gibt diese Technik heutzutage, warum sollte man sie nicht nutzen. Und dann Wie gesagt, gibt noch weitere psychologische Fragebögen und anamnese Leitlinien, die aber in der gängigen HNO-Praxis eher wenig Platz finden, muss man sagen.

speaker-0: Jetzt haben wir ja vorher schon mal so bisschen darüber gesprochen, Tinnitus und Hörsturz. Häufig werden die ja tatsächlich miteinander verwechselt. Was unterscheidet denn die beiden eigentlich direkt?

speaker-1: Ja, erstmal sind sie grundsätzlich was anderes. Der Hörsturz bedeutet, ich höre plötzlich nichts mehr auf einem Ohr. Hörsturz kann entweder im Tieftonbereich stattfinden, dann neigen die Patienten meistens ihren Druckgefühl auch häufig im Ohr. Kann auch im Hochtonbereich sein. Und der Tiritus ist eigentlich das Gegenteil. Der Tiritus ist ein Ohrgeräusch, das plötzlich aufgetreten ist. Und dadurch, dass das häufig zusammen auftritt. und häufig auch die Hörminderung weniger wahrgenommen wird vom Patienten, wird das manchmal durcheinandergeschmissen und das Ohrgeräusch, das im Vordergrund steht, wird als Hörsturz bezeichnet. Aber faktisch sind das zwei getrennte Dinge, die man voneinander betrachten und diagnostizieren muss.

speaker-0: Jetzt habe ich in den Recherchen auch viel darüber nachgelesen, über Cortison. Wann oder braucht ein Patient überhaupt einen Tinnitus wirklich immer Cortison oder ist das immer abhängig vom Gestärkungsbild?

speaker-1: Ja. Also wir haben noch zwei unterschiedliche Unterschiede, noch zwei weitere Unterscheidungen vom Tinnitus und zu einerseits den akuten und einerseits den chronischen Tinnitus. Vom chronischen Tinnitus sprechen wir, wenn der Tinnitus über drei Monate schon bestehend ist und vom akuten Tinnitus entsprechend kurzfristiger. Beim akuten Tinnitus ist die Kortisonbehandlung immer noch in Deutschland, möchte ich sagen, gang und gäbe. Die Evidenz, muss ich sagen, ist eher knapp. Früher hat man hochdosiert Cortison als Infusion gegeben. Es gibt auch immer noch Patienten, kommen und wollen unbedingt diese Cortisoninfusionen haben. Davon ist man größtenteils heute auch schon zurückgetreten. Es gibt Studien, die auch niedrige Corticoids-Dosen als Tabletten, zum Beispiel bei einem akuten, nochmal akuten Tinnitus, nur akuter Tinnitus, zum Beispiel nach einem Konzert oder nach einer Lärmexposition kann natürlich auch ein Orgelreusch entstehen. Dann kann das durchaus Sinn machen in niedrigen Dosen. Die Frage ist, wenn niedrigen Dosen so gut helfen, ob dann tatsächlich wirklich überhaupt noch eine Evidenz da ist. Das wird gerade in weiteren Studien geklärt. Beim chronischen Tinnitus würde ich ganz stark davon abraten und das ist nicht die Leitlinie.

speaker-0: Jetzt ist es ja manchmal auch so, dass dieser Tinnitus einfach bleibt. Was verändert sich, wenn der Tinnitus nicht wieder verschwindet und Corona ist schwind?

speaker-1: Meistens verändert sich vor allem die Bewertung des Geräuschs. Der Patient, wie ich schon angesprochen hatte, fängt an immer mehr über diesen Tinnitus nachzudenken. Er nimmt ihn immer lauter wahr, obwohl der Tinnitus vielleicht gar nicht so lauter geworden ist. Aber das Gehirn bewertet dieses Geräusch als relevante und unter Umständen bedrohliche Information. Das Gehirn hat eine gute Filterfunktion. Deshalb hören wir zum Teil nicht, wenn die Trammern draußen vorbeifährt, wenn wir uns unterhalten. Das ist eine irrelevante Information, die brauche ich nicht, ob die Trammern vorbeifährt oder nicht. für uns entsprechend irrelevant. Und so kann eben das Gehirn auch rausfiltern, dass es knackt, wenn wir schlucken. Und plötzlich hat es dann dieses Geräusch und muss die ganze Zeit schauen, ist das Geräusch noch da? Ist das Geräusch da? Somit wird das Geräusch immer relevanter, immer relevanter. und kann dann eben dazu führen, dass es erstens bedrohlich wahrgenommen wird. Die Menschen haben Angst, habe ich einen Hirntumor, habe ich einen Schlaganfall. Diese Themen, also die Bedrohlichkeit nimmt zu und eben die Relevanz. Es wird lebensbestimmend. Ja, und ich habe Angst davor auch ins Bett zu gehen, wenn der Tinnitus dann wieder lauter wird. Das sind die zwei Faktoren, die ganz wesentlich dann zunehmen.

speaker-0: Warum kann der Tinnitus bei manchen Patienten mit der Zeit immer stärker das Leben verschlimmen, obwohl das Geräusch selbst, und wie wir es ja gerade schon mal hatten, gar nicht mehr geworden ist?

speaker-1: Ja, das ist ein Teufelskreis aus Fokussierung auf diesen Tinnitus, Bewertung des Tinnitus und Maßnahmen, die daraus getroffen werden, die unter Umständen nicht dienlich sind, diese Symptomatik zu durchbrechen. Und das verstärkt sich tagtäglich immer mehr. Der Patient konzentriert sich immer mehr darauf und schränkt sich immer mehr in der Lebensführung ein und somit wird das immer stärker.

speaker-0: Das bedeutet praktisch, der Kreislauf nimmt einfach seinen Weg. Kein Bruch, man macht sich Sorgen, man fokussiert sich drauf. Das schlafen sich natürlich auch schlecht, aber man muss sich da natürlich auch unter Bewusstsein damit beschäftigen.

speaker-1: Wichtiger Punkt noch dazu. Das Gehirn, wir sprechen von Neuroplastizität, ist ein bisschen vergleichbar wie mit einem Phantomschmerz. Wenn ich jahrelang Schmerzen beispielsweise im Fuß hatte, dann kann beispielsweise der Fuß amputiert sein und ich spüre diesen Fuß immer noch. Und so ist das ein bisschen beim Gehirn. Das Gehirn trainiert sich tatsächlich an, diesen Ton auch wiederzugeben. Und dadurch wird das Ganze eben auch noch weiterhin verstärkt.

speaker-0: Das bedeutet, ich habe die Situation und muss eine erfolgreiche Chemie-Zusatzbehandlung überhaupt bedeuten, dass das Geräusch vollständig verschwindet.

speaker-1: Das Ziel einer guten Therapie, einer guten Therapie, nicht primär sein, dass der Tinnitus verschwindet, sondern sollte sein, dass das Geräusch keine Alltagsrelevanz mehr hat. Noch mal, hier alle hören Geräusche im Inneren. Und ich unterstelle, dass Sie heute nicht darüber nachgedacht haben, wie nervig das Klacken beim Schlucken ist, wenn Sie ein Glas Wasser getrunken haben. Ja?

speaker-0: Benedit.

speaker-1: Und genau darum geht es. Es geht darum, den Patienten wieder beizubringen, dass dieses Geräusch keine Relevanz haben muss. Denn es ist kein Zeichen für irgendwas Schlimmes. Es ist kein Zeichen für eine lebensbedrohliche Situation. Das ist eigentlich ein vollkommen irrelevantes Zeichen. Das ist das Ziel einer guten Therapie, Patienten dazu zu bringen, dabei zu helfen, dieses Geräusch eben wieder anders zu bewerten und somit in den Hintergrund zu drängen.

speaker-0: Also weiter ein Kinetos haben und trotzdem wieder vollkommen normal leben würde ich dann auf die Zuhörerfrage sagen, ja.

speaker-1: Genau, und das ist sehr, gut möglich. Und das Schlimmste, was ich höre von sehr, sehr vielen Patienten, ich war schon bei so HNO-Ärzten oder bei chronischem Tinnitus, da kann man ja nichts mehr machen. Das ist eben falsch. Man konnte vorher gut leben und man kann auch mit dem Tinnitus wieder gut leben. Und das ist möglich.

speaker-0: Im Falle hat es könnte. komme mal in diesen Therapieblock noch weiter rein. Wenn man im Internet tatsächlich nicht nach Simulantusbehandlungen sucht, findet man wie bei allen, und es wird immer mehr, praktisch alles Mögliche. Also Medikamente, Infusionen, Vitaminen, Nahrungsergänzungsmittel, Apps, Musiktherapien und neue technische Verfahren. Deshalb möchte ich jetzt mal ganz klar wissen, Welche Behandlungsmöglichkeiten helfen? Nach heutigen medizinischen Wissen stand denn tatsächlich und welche eher weniger?

speaker-1: Die wichtigsten drei Säulen der Therapie, der Tinnitustherapie, sind erstens die Aufklärung, nennt es Counselling, den Patienten zu erklären, der Tinnitus ist nichts Gefährliches und den Patienten zu erklären, wie entsteht der Tinnitus. Das ist ein ganz, ganz wichtiger Baustein. Die zweite wichtige Therapie ist die Verbesserung des Gehörs. Denn nochmal, der Tinnitus entsteht im Laufe der Hörbahn. weil im Innenohr oder auch im Mittelohr durch eine Hörminderung, welcher Art auch immer, ein Stück weit Informationen im Gehirn fehlen. Das heißt, besser ich außen oder alle Geräusche wieder wahrnehmen kann, je besser ich hören kann, desto weniger laut wird das Geräusch im Inneren. Das heißt, neben dem Counseling ist die Hörverbesserung die zweite wichtige Säule. Und die dritte wichtige Säule ist, je nachdem wie stark belastend der Tinnitus dann noch wahrgenommen wird, eine Verhaltenstherapie. Und Verhaltenstherapie bedeutet primär, wie kann ich den Tinnitus wieder besser in den Hintergrund drängen und wie kann ich mein Leben weiterleben, ohne es nach dem Bedarf des Ohrgeräuschs auszurichten.

speaker-0: Wie sieht es denn da aus, zum Beispiel mit dem Thema Hörgeräte? Das haben wir auch ganz häufig gefunden in der Recherche. Hat ich ehrlich gesagt noch nie mit dem in Verbindung gebracht, aber ist denn das tatsächlich so eine Methode, die dazu führen kann?

speaker-1: Ca. 90 % aller Patienten mit einem Rollgeräusch, mit einem Tinnitus haben eine Hörminderung, welche Art auch immer, ob leicht oder mittel- oder stärkratig. Dementsprechend ist das Hörgerät, mit einer der wichtigsten Therapiebausteine bei der Behandlung des Tinnitus, auch schon eine leichte Hörminderung auszubessern. Wenn jemand nur eine leichte Hörminderung hat, die laut standards noch nicht unbedingt ein Hörgerät benötigt, aber er hat einen Pinitus, ein Ohrgeräusch, dann macht es durchaus auch Sinn, mal bei weniger ausgeprägten Hörminderungen ein Hörgerät zu verschreiben, quasi in diesem Frequenzbereich auch wieder ein Stück weit dagegen zu steuern und dem Gehirn zu sagen, du musst da nicht so dagegen steuern, du musst nicht hier ständig das Geräusch verstärken und darum ist das Hörgerät eben mit die wichtigste Therapie beim Crunchen Tinte.

speaker-0: Jetzt gibt es ja noch eine Therapiemöglichkeit oder eine Unterstützendetherapiemöglichkeit und zwar die psychosomatische Therapie. Jetzt wissen wir ja, wie das immer so ist mit der psychosomatischen Therapie. Es ist immer so bisschen mit viel Skepsis dabei und wahrscheinlich in dem Bereich ja auch noch mal deutlich mehr als bei anderen Erkrankungen. Wir haben tatsächlich da so bisschen recherchiert und haben dann so seltsam gefunden, mein Ohr pfeift doch wirklich. Ich rück mir das doch nicht ein. Was sagen Sie denn an so einem Patienten, warum wir so eine Therapie machen wollten?

speaker-1: Das Pfeifgeräusch ist real. Nochmal, das Pfeifgeräusch ist da und der Patient muss ernst genommen werden. Das ist ganz wichtig und man darf das auch nicht abwerten, dieses Geräusch. Nochmal, das kann zu Stoppverlusten etc. führen. Die Frage ist, warum nehme ich persönlich dieses Geräusch so laut wahr und jemand anderes nicht? Warum ist dieses Geräusch für mich so belastend? Und da ist es wirklich häufig so, dass jetzt gerade bei uns, häufig Patienten haben, die sich sehr stark auf dieses körperliche Symptom fokussieren und wenn die dann in so eine Art Therapie kommen, auch erstmal merken, es gibt Faktoren, die das Geräusch verstärken beispielsweise. Da hilft oft ein Tinnitus-Tagebuch, das man aufschreibt, ein Symptom-Tagebuch. Wann war der Tinnitus wieder stärker? Also immer wenn ich in den Beruf gehe oder wenn ich in meinen blöden Job gehe und abends nach Hause komme, ist der Tinnitus viel lauter als am Wochenende, wo ich was Schönes mache. Da muss ich mir doch durchaus die Frage stellen, ist der Job im Moment das Richtige oder habe ich vielleicht andere Ansätze? Da kommen wir eben zur Verhaltenstherapie tatsächlich. Habe ich vielleicht Möglichkeiten, die Themen, mich im Job so belasten, besser dort zu lassen und abzuschalten? Was auch in die Verhaltenstherapie reingehört, sind Entspannungstherapeutische Ansätze. Ja, also auch das Thema, wie kann ich mich selbst runterfahren. Und bereits das System nimmt das Ohrgeräusch noch viel, lauter wahr natürlich. Und somit muss ich auch lernen, wie kann ich mein System auch ein Stück weit wieder runterfahren. Und damit kann ich dann eben diesen Tinnitus auch ein Stück weit besser lernen auszublenden. Und Verhaltenstherapie bedeutet tatsächlich, welche Verhaltensansätze habe ich oder wie kann ich mein Verhalten verändern, eben diese inneren Symptome und vor allem die Belastung durch das Geräusch zu reduzieren.

speaker-0: Vielen lieben Dank, dass ihr das so ausführlich beschrieben habt, weil das tatsächlich ein sehr wichtiges Thema war bei der Recherche, wo wir wirklich sehr häufig darauf gestoßen sind. Mit wirklich viel Skepsis auch. Dann gibt es ja noch mal einen weiteren Punkt und das ist Medikamentusetherapie in Form von Tabletten. Können die tatsächlich chronischen Tinnitus wirklich beseitigen oder ist das so eher

speaker-1: Es gibt keine Tablette, die den Tinnitus wegmacht. Aber der Tinnitus ist ein Symptom von einem komplexen Organismus. Häufig ist es tatsächlich so, dass Patienten eine andere psychische Komponente mitbringen. die zu einer Verstärkung des Ohrgeräusches führen. Oder wie beim Teekesselchen, der innere Pruck so hoch wird, dass es irgendwann anfängt zu pfeifen. Und wenn da wirklich eine Depression, eine Angststörung oder eine andere psychische Erkrankung dahinter steckt, und das gibt es durchaus häufig und auch häufig noch nicht erkannt. Häufig ist wirklich der Tinnitus das erste Symptom, was an das Tageslicht kommt. dann macht natürlich auch eine medikamentöse Therapie Sinn. Genauso bei den Schlafstörungen. Wenn eine Schlafstörung durch den Tinnitus entstanden ist oder andersrum ein Tinnitus durch eine Schlafstörung verstärkt wird, macht es unter Umständen auch jemals, sind kurzfristig wohlgemerkt, dort medikamentös auch reinzugehen. Langfristig muss natürlich auch dort wahlens therapeutisch geschaut werden, wie kann ich beispielsweise die Schlafstörung wieder beseitigen.

speaker-0: Und dann kommen wir zum letzten Punkt in Kreis. Das hat mir vorher schon mal bisschen angesprochen, Nahrungsergänzungsmittel und ich weiß gar nicht, wie viele vermeintliche Tinnituswundermittel ich gefunden habe bei den Recherchen. Kannst uns dazu auch noch was sagen?

speaker-1: Grundsätzlich kann man sagen, wer Ihnen ein Nahrungsergänzungsmittel, ob Magnesium, Zink, Ginkgo oder irgendein Gerät verkaufen möchte, ohne dass er vorher eine entsprechende Anamnese, Hörtestung, weitere Testung durchgeführt hat, der möchte Ihnen schlicht und ergreifend etwas verkaufen und sie nicht ursächlich behandeln. Es gibt keine Tablette wie Zink, Magnesium, wie auch immer. wie sie auch alle heißen, die nachweislich beim Tinnitus eine Rolle spielen. Und auch zur Ursachenerklärung nochmal, wie wir vorhin gesagt haben. Der Tinnitus ist ein Symptom von etwas, was darunter liegt und somit kann eine Tablette alleine das auch nicht heilen. Genauso gibt es technische Ansätze, die auch in den Leitlinien nie eine Evidenz erbracht haben und deshalb auch nie empfohlen wurden.

speaker-0: Kommen wir aber mal zu Ansätzen, die tatsächlich interessant sind und die ich sehr, spannend fand und warum wir auch heute zusammengekommen sind. Bei den komplexen T-Mitus-Patienten betrachten sie eben nicht ausschließlich das Spur, sondern arbeiten multimodal. Sie hat uns vorher auch schon mal so ein bisschen angesprochen. Welche Patienten profitieren denn aus Ihrer Erfahrung von einer multimodalen Behandlungstherapie oder Konzept? Und wann bereist eine klassische ambulante Behandlung möglicherweise nicht mehr aus.

speaker-1: Die HNO-Behandlung reicht aus, wenn der Patient gut mit dem Ohrgeräusch zurechtkommt. Und wenn der Patient beispielsweise eine Hörgeräte bekommt und sagt, ich bin damit in Ordnung und mir stört es jetzt eigentlich nicht. Wenn der Patient durch das Ohrgeräusch belastet ist, dann ist so eine multimodale Therapie tatsächlich die Therapie der Wahl. Beziehungsweise eine Verhaltenstherapie ist auch etwas, was man will. als Einzelnes betrachten kann, tatsächlich das Besondere bei so einer multimodalen Therapie ist eben, dass die verschiedenen Fachbereiche zusammenarbeiten, sprich HNO-Ärzte, Psychologen, Psychiater auch, wenn es Medikamente geht, Schlafexperten, Physiotherapeuten. Und da ist es besonders wichtig, den Patienten als Individuum wahrzunehmen und ganz genau zu schauen. Denn die Gleichgewichtstherapie bringt dem Patienten nichts, der keinen Schwindelsymptomatik hat. Gleiches mit der Schlaftherapie. Und auf der anderen Seite bringt das nichts, nur den Tinnitus zu behandeln und den Schlaf außer Acht zu lassen. Und das ist eben das ganz Besondere bei dieser multimodalen Therapie und bei diesen multimodalen Therapieansätzen, dass eben der Patient als Ganzes gesehen wird und geschaut wird. Wir sagen immer eine Blumenstrauß und der Patient holt sich die Blumen raus, die ihm besonders gut gefallen und kriegt quasi auch einen Leitfaden an die Hand für ihn ganz individuell. Was ist das, was ich brauche? persönlich mit diesem Symptom nochmal und nicht mit der Krankheit, sondern mit diesem Symptom besser zurück zurecht zu kommen.

speaker-0: Was ich wirklich sehr toll daran finde, ist, weil Sie es gerade gesagt haben, individuell, also auf jeden Patienten, speziell angesetzt und nicht irgendwie Standard A, Standard B. Ich glaube, dass das tatsächlich ganz, ganz viel ausmacht. Ich kenne das persönlich aus der Schmerztherapie. Da gibt es ja auch die Erfolge. Die sprechen da auch für sich. In dem Bereich was anderes sehe ich jetzt da beim Tinnitus auch nicht. Das ist auch nichts anderes wie ein Schmerz auf eine andere Art und Weise.

speaker-1: Die Tidigestherapie an sich in der Form ist auf der Schmerztherapie auch ein Stück weit aufgebaut. Also die Ansätze sind ganz, ganz ähnlich und wie gesagt auch die Ursachen sind bisschen ähnlich mit dem Fatomschmerz, also Neuroplastizität. sind ähnliche Mechanismen, in den Rang sind und deshalb sind auch die Therapieansätze ganz ähnlich.

speaker-0: Das haben sie wirklich sehr gut beschrieben und ich bin sehr, froh, dass sie heute da zu Gast sind. Genau eben, einfach mal zu sehen, es gibt da Möglichkeiten. Also es ist nicht das Schema A und das machen wir jetzt genau so, sondern eben dieses Individuelle und vor allem das wissen die Zuhörerinnen und Zuhörer sehr, sehr gut von mir. Ich bin ja tatsächlich sehr Riesenfan des Interdisziplinären. die Fachrichtungen, die Bereiche, zusammenarbeiten. Ich glaube, dass das am Ende für den Patienten die beste Medizin sein kann. Was kann ich denn eigentlich selbst tun? Das ist immer die Frage, Patienten dann auch stellen. Wenn uns jemand mit chronischem Tinnitus zuhört, was kann dieser Mensch selbst tun, seinen Alltag und seine Lebensqualität tatsächlich zu verbessern?

speaker-1: Das Wichtigste als erstes Stille zu vermeiden. Viele Patienten neigen dann dazu, in den sozialen Rückzug zu gehen. Viele Patienten fangen auch an, Ohrpacks oder Ohrstöpsel zu tragen, in Hoffnung, dass das Geräusch leider leiser wird. Aber leider ist meistens das Gegenteil der Fall. Je mehr Rückzug sowohl sozial als auch vom Hören, desto lauter wird das Geräusch im Inneren und desto mehr fokussiere und konzentriere ich mich da drauf. Also das Wichtigste ist eben Stille vermeiden, soziale Kontakte suchen, tatsächlich rausgehen, sich ablenken ein Stück weit. Ganz wichtig ist eben das Thema Schlaf auch. Ich muss schauen, dass ich geregelte Schlafenszeiten habe. Das führt jetzt ein bisschen zu weit, aber häufig ist es auch so, dass die Patienten schon Angst haben vor dem Schlafen. Ja, also da ist es ganz wichtig, dass ich da dieses Thema Schlaf gut priorisiere, aber mich auch nicht schon acht Uhr abends ins Bett lege und hoffe, dass ich jetzt die ganze Nacht durchschlafe bis am nächsten Morgen acht. Also wirklich in der Früh rausgehen, körperliche Aktivität und abends zu einer regelmäßigen, realistischen Zeit ins Bett gehen, zu der ich auch wirklich müde bin und dann auch einschlafen kann. Und lieber ist die bisschen später. anstatt dass ich dann lange im Bett liege und mir Gedanken mache und wie auch den Tinnitus konzentriere. Also Thema Schlaf ist sehr, wichtig. Und es gibt tolle Selbsthilfegruppen beim Tinnitus, beziehungsweise vor allem eine, die Deutsche Tinnitus Liga, die wunderbare Angebote haben. Das ist für mich ganz wichtig, dass die Patienten auch in den Kontakt kommen und auch merken, Ich bin hier nicht alleine mit meinem doofen Ohrgeräusch. Das hat ja sonst niemand und kann mir keiner helfen, habe ich gelesen im Internet. Und die Zink-Tablette hat irgendwie auch nicht geholfen und jetzt kann ich nichts mehr machen. Nein, ganz wichtig, die deutsche Tinnitus-Liga hat ein tolles Angebot für Patienten. Auch auf der Internetseite kann man ganz genau nachlesen, welche Therapien wirklich evidenzbasiert was bringen. und welche Therapien nichts bringen. Und die Infoveranstaltungen beispielsweise sind auch immer wirklich mit hochkarätigen Ärzten und Wissenschaftlern aus dem Bereich auch besetzt. das ist tatsächlich was, was ich ganz, ganz wichtig finde, auch bei der Bewertung des Orgierholfs.

speaker-0: Wir haben die Seite auch hier mit eingeblendet, sodass die Zuhörerinnen und Zuhörer da auch für sich informieren können darüber. Jetzt kommen wir zu unserer Mittenrunde, Frau Doktor. Ich mich auch.

speaker-1: Der Tinnitus entsteht in der Hörbahn, aber die Ursache liegt häufig im Ohr. Deshalb müssen wir das Ohr abklären.

speaker-0: Der Rest ist die Ursache jedes Dienidfusses.

speaker-1: oft falsch. Der Stress ist nicht die Ursache des Tinnitus, aber der Stress kann den Tinnitus natürlich verstärken und ist ein wichtiger Faktor, der ebenfalls mit abgeklärt gehört.

speaker-0: Wenn Tinnitus chronisch ist, man nichts mehr machen.

speaker-1: Mein schlimmster Mythos und dennoch so weit verbreitet. Falsch. Beim chronischen Tinnitus gibt es ganz gute Therapieansätze diesen Tinnitus in den Hintergrund zu drängen und als nicht mehr so belastend und alltagsstörend wahrzunehmen.

speaker-0: Ein Hörgerät kann auch bei Tinnitus helfen.

speaker-1: Richtig, ein Hörgerät kann unbedingt beim Tinnitus helfen, weil in den meisten Fällen eine auch nur geringgradige Hörminderung den Tinnitus mit verursacht hat und dementsprechend man da auch sehr, gut dagegen steuern kann.

speaker-0: Und dann kommen wir zur letzten Frage aus unserer Mythos-Runde. Es gibt eine Tablette gegen chronischen Tyhnetus.

speaker-1: Das ist die allerschlimmste Frage. Nein, diese Tablette gibt es nicht. Es keine Tablette, die den Tinnitus wegzaubert. Es gibt Tabletten, die Begleiterkrankungen helfen können, besser therapierbar zu sein. Aber den Tinnitus kann ich nicht mit einer Tablette heilen.

speaker-0: Herr Dr. Gertner, wenn Ihnen jetzt Menschen zuhören, der seit Monaten oder Jahren jeden Tag seinen Tinnitus wahrnimmt und inzwischen vielleicht wirklich die Hoffnung verloren hat, was möchten Sie diesem Menschen persönlich mitgehen?

speaker-1: Sie dürfen auf keinen Fall die Hoffnung verlieren. Das erste ist informieren Sie sich bei der deutschen Tinnitusliga. Gehen Sie zum HNO-Arzt, lassen Sie Ihr Gehör abklären und wenn das schon erfolgt ist, gehen Sie den Schritt tatsächlich diese psychischen Komponenten mit anzuschauen, auch wenn es für Sie im ersten Schritt gar nicht als relevant erscheint. Und da helfen eben ganz besonders diese entweder verhaltenstherapeutischen Ansätze, also sprich eine klassische ambulante Verhaltenstherapie oder diese multimodalen Therapieansätze beim Tinnitus, wo eben die verschiedenen Fachrichtungen zusammenarbeiten und es gibt diese Anlaufstellen und da sollte man in keinem Fall die Hoffnung verlieren. Ganz im Gegenteil, es gibt gute Therapieangebote.

speaker-0: Vielen herzlichen Dank für Ihre Zeit und dafür, dass Sie sich diesen wirklich sehr kompletten Thema heute so verständlich angenommen haben und auch uns näher gebracht haben. Ich glaube, eine ganz wichtige Botschaft ist heute sehr deutlich geworden. Tinnitus sollte sinnvoll medizinisch abgeklärt werden, insbesondere dann, wenn bestimmte Begleitsymptome auftreten. Aber selbst wenn ein Tinnitus chronisch wird, bedeutet das nicht automatisch, dass er dauerhaft das gesamte Leben bestimmen muss. Vielen lieben Dank, dass Sie heute Gast waren bei Medizin Direct. Und alle, uns zuhören oder zuschauen, wenn euch die Folge gefallen hat, folgt uns, folgt Dr. Gaertner auf ihrem Instagram-Kanal, den wir auch hier nochmal mit einblenden. Und ich sage vielen lieben Dank, dass Sie heute zu Besuch bei uns waren und wünsche Ihnen noch einen schönen Tag.

speaker-1: Vielen Dank für die Möglichkeit, einmal über dieses Thema zu sprechen. Sehr gerne.

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